Gemeindebrief 220

August, September und Oktober 2017

Reformation

- so heißt das Thema dieses Gemeindebriefs.

Martin Luther

ist der Name, der sich für die meisten Menschen als erstes mit dem Thema verbindet. Ebenso kennen viele Menschen den berühmten Satz
„Hier stehe ich und kann nicht anders“,
der dem Reformator zugeschrieben wird.

Martin Luther hat diesen Satz wahrscheinlich gar nicht selber gesagt. Er wurde ihm von einem Protokollant seiner Verteidigung auf dem Reichstag zu Augsburg 1518 in den Mund gelegt. Trotzdem gibt dieser Ausspruch eindrücklich Luthers Geistes- und Glaubenshaltung wieder - eine Haltung, mit der er in paulinischer Tradition steht.

Paulus, der in Jerusalem gefangengenommen worden war, nach Cäsarea überführt und dort dem römischen König Agrippa vorgeführt wurde, sagt die Worte, die den Monatsspruch für August bilden.
Gottes Hilfe habe erfahren bis zum heutigen Tag un stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein. (Apg 26,22)
Mit ihnen bringt er dasselbe zum Ausdruck wie auch Martin Luther fast anderthalb Jahrtausende nach ihm:
Er ist ergriffen durch das Evangelium von Jesus Christus als einer Wahrheit, die er nicht verleugnen kann.
Würde er es tun, würde das für ihn einer Verleugnung Gottes gleichkommen.
Beide, Paulus ebenso wie Martin Luther, sind bereit, dafür alle Konsequenzen zu tragen.
Mich beeindrucken beide in ihrer Haltung sehr.
Und ich frage mich:
Wie können wir heute ebenso „fromm“ im guten Sinn, also überzeugt in der Sache und fest im Glauben sein und zugleich nicht dogmatisch, ausgrenzend oder gar fanatisch sein?
Ich sehe darin eine der großen Herausforderungen unserer Kirche und von uns Christenmenschen heute:
Klar und erkennbar zu sein in unserem Glauben UND weit und offen in unserem Reden und Handeln.
Ob uns das gelingen kann? Ich wünsche esmir.






Gemeindebrief 219

Mai, Juni und Juli 2017


Lebenszeiten

Eure Rede sei allzeit freundlich und mit Salz gewürzt.
(Kol 4,6 - Monatsspruch für Mai)

Kommunikation - das ist ein Wort, dem man häufig begegnet.Die Kommunikation muss funktionieren - sagt man.Wenn die Kommunikation stimmt, ist schon (fast) alles gewonnen.An Angeboten zur Fortbildung im Bereich Kommunikation mangelt es nicht:

  • zur Kommunikationstrainer/in

  • zur Gewaltfreien Kommunikation

  • zur Unterstützenden Kommunikation im Bereich Rhethorik...

Vieles, was man auf solchen Fortbildungen lernt, ist nützlich und hilfreich. Es erhellt, woran es immer wieder hakt, wenn Kommunikation an irgendeiner Stelle nicht klappt und eröffnet Lösungen zur besseren und tieferen Verständigung zwischen Menschen.Ich denke, es ist gut, sich bewusst zu werden, wie man spricht, welche Worte man benutzt, welchen Tonfall man anschlägt, wie die eigene Gestik ist, ob man verbindlich und verbindend spricht oder abgrenzend und anklagend.Einander im Gespräch in Worten, Gestik und Haltung achtsam und wertschätzend zu begegnen, bildet einen stabilen Grund, Schwierigkeiten im Miteinander und Unstimmigkeiten in sachlichen Fragen aufzunehmen und zu Verständigungen und Lösungen zu führen.Kommunikation ist so alt wie die Menschheit. Schon immer entscheiden sich Kriege und Frieden an gelungener oder nicht gelungener Kommunikation. Gerade in der Politik ist die Kommunikation eine hohe Kunst.Der Monatsspruch für Mai aus dem Kolosserbrief bringt auf den Punkt, dass Freundlichkeit und Achtsamkeit dem anderen gegenüber und Klarheit in der Sache und in sich selber kein Widerspruch sind, sondern sich gegenseitig stützen und befruchten.Alfred Delp, der durch die Nazis ermordete Jesuitenpater drückt dasselbe so aus:Das Klare suchen, das Wahre tun, die Liebe leben:Das wird uns gesund machen.Gesundung auf diese Weise braucht unser Miteinander in Reden und Tun im Kleinen, im Privaten wie im Großen, im Politischen so sehr!Und so wünsche ich uns allen und allen, die im Großen oder Kleinen Verantwortung tragen, Klarheit, Wahrhaftigkeit und Liebe in der Sprache ihrer Worte und Taten.Gott befohlen. Ihre






Gemeindebrief 218

Februar, März und April 2017

Helden

Gott spricht:

Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch

Hes. 36, 46 (Jahreslosung für 2017)

Ein neues Herz und einen neuen Geist? - Ja, was bleibt denn dann noch von mir übrig außer der äußeren Hülle? Möchte ich fragen.Ein neues Herz und einen neuen Geist. - Doch manchmal wünschte ich mir das.
Wenn ich gefangen bin in mir selbst, in dunklen Gedanken und schweren Gefühlen. Wenn ich um Sorgen oder im Zorn kreise und kreise und komme nicht heraus aus dem, von dem ich doch genau spüre, dass es NICHT dem Leben dient und mir selber auch nicht guttut.
Gefühle der Bitterkeit und der Resignation stellen sich ein, wenn ich es zulasse, dass ich mein Herz verhärtet und wenn ich Gedanken nachgebe, mit denen ich anderen - wenn nichts Böses - zumindest doch nicht Gutes wünsche;
Auch Gedanken, die mich schwarz sehen lassen, die immer nur sagen, wie schlimm alles ist und wieviel schlimmer alles immer nur noch wird, verschließen das Leben.
Wenn das so ist, wäre es dann nicht gut, einfach das alte, enge Herz und den alten, verborrten Geist herauszureißen und beides neu zu bekommen, so wie man verschlissene Kleidung aus dem Kleiderschrank entfernt und neue hineinhängt, die man zuvor irgendwo gekauft hat?
Doch ich befürchte, mit dem Herz und dem Geist geht das nicht so einfach wie mit alter Kleidung- und ich glaube nicht, dass das mit dieser Jahreslosung gemeint ist.
Wir Menschen sind nämlich mit genau dem Geist und dem Herz begabt, das wir von Gott bekommen haben und das deshalb grund-gut ist. Ein neues Herz und einen neuen Geist zu bekommen, meint deswegen nicht, beides zu ersetzen, sondern beides immer wieder dorthin zu führen, wo es erneuert wird: In Gottes Gegenwart.
Dort finden Herz und Geist wieder ihren Urgrund, aus dem heraus sie sich wandeln (lassen) können und alles neu wird: Dunkles hell und Schweres leicht.
Mit einem Herz und einem Geist, die wir immer wieder in Gottes Gegenwart stellen, dienen wir dem Leben.






Gemeindebrief 217

November, Dezember 2016 und Januar 2017

Gelb


In einer Wandnische in der neuen
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
in Berlin am Bahnhof Zoo
hängt das Original der
„Madonna von Stalingrad“.
105 x 80 cm ist das Bild groß,
Es wurde von dem evangelischen Pfarrer und Arzt Kurt Reuber Weihnachten 1942 in Stalingrad mit Kohle auf die Rückseite einer russischen Landkarte gezeichnet.
Die Bildumschrift lautet:
Weihnachten 1942 im Kessel -
Festung Stalingrad -
Licht - Leben - Liebe

Das Bild, die Haltung der Frau, die mit einem Lächeln in liebevoller, bergender und zugleich klarer Gebärde ihr Kind in den Armen hält, strahlt große Geborgenheit aus
und erzählt von Liebe und Hut am Lebensanfang.
Die Worte Licht - Leben - Liebe sind zentrale Begriffe aus dem Johannesevangelium, die dem Künstler - wie er selber erzählte - beim Malen des Bildes in den Sinn kamen und die er, ohne das Warum und Woher dieser Worte auszuloten, neben das Bild schrieb.
Und so ist dieses Bild zu einer Botschaft “trotz allem” geworden -
einer Botschaft über den Glauben an das Licht, das Leben und die Liebe,
die Bestand haben und seien die Dunkelheit noch so groß und der Schrecken noch so tief.
Es ist die Weihnachtsbotschaft in ein schlichtes Bild gesetzt.
Und es ist die Botschaft an alle, die dieses Bild sehen,
die Ausgelieferten, Hilflosen, Bedürftigen der Welt
mütterlich-väterlich zu bergen und zu schützen,
gleich ob sie in der “Festung Syrien”, in der Festung “Südsundan”, in der “Festung Afghanistan” oder sonst wo leben oder herkommen, wo ihnen Licht - Leben - Liebe verwehrt werden.







Gemeindebrief 2016

August, September und Oktober 2016

Frauen

Jesus ist anspruchsvoll.

Ja - wussten Sie das schon?
Er, der keinen Wert auf einen festen Wohnsitz legte und sicherlich nicht immer regelmäßige Mahlzeiten hatte;
der keinen Schrank voller Gewänder für jeden Tag der Woche eines hatte und der einfache Leute - teilweise sogar fragwürdige Existenzen - seine Freunde nannte,
dieser Jesus ist anspruchsvoll.

Wenn es ihm nämlich um einen konkreten Menschen ging,
oder um das Menschsein in seinem Kern oder um das Miteinander von Menschen, dann ist Jesus anspruchsvoll.
Da lässt er nichts für lau durchgehen oder macht es sich selber bequem in Halbherzigkeiten.

Jesus ist anspruchsvoll - und er ist mehr als das. Jesus ist radikal.

Im 9. Kapitel des Markusevangeliums sind einige Mahnungen und Warnungen von ihm überliefert, mit denen er radikale Konsequenz zum Guten einfordert. Seine Rede schließt er mit den Worten:

Habt Salz bei euch und haltet Frieden. (Mk 9, 50b)

Frieden - untereinander, zwischen Menschen und ganzen Völkern und inwendig in einem jeden Menschen - darum geht es Jesus in seiner Verkündigung in Worten und Taten.
Doch es ist keine Harmoniesucht, die ihn treibt. Er steht nicht auf der Seite derer, die sagen: Hauptsache kein Streit! Und der singt: Ein bisschen Frieden...
Echter Friede, wahrer Friede, ist immer ein Friede, der um Unterschiede weiß, der Konflikte kennt, der beides auch benennt und sich dennoch nicht verführen lässt, die Achtung voreinander zu verlieren und die geschwisterliche Liebe aufzugeben.
Gesalzener Friede ist kein gepfefferter Streit. Es ist ein Friede unter Menschen, die Begegnung wagen und sich in Konflikten und Verschiedenheit gemeinsam umfangen wissen von dem, der unser Friede ist.

Ihre







Gemeindebrief 215

Mai, Juni und Juli 2016

Schön, dass ich lebe

Wisst ihr nicht,
dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist,
der in euch wohnt
und den ihr von Gott habt?
Ihr gehört nicht euch selbst.
1. Kor 6,19

Taufe in einer katholischen Kirche in Dresden.
Entsprechend dem katholischen Taufritus salbt der Priester dem ca 9 Monate alte Baby die Stirn mit Chrisamöl. Dabei spricht er diesem kleinen Menschlein auf dem Arm seines Vaters zu: Du bist mit deinem Leib Tempel des Heiligen Geistes.

Ein Baby:Tempel des Heiligen Geistes.
Jeder Mensch kraft der Taufe: Tempel des Heiligen Geistes - und zwar nicht nur irgendwie ideell , geistig oder vielleicht auch seelisch, nein ganz und gar mit Geist und Seele und Körper.

Gott wohnt mit seiner Geistkraft in uns und unserem Leben. „Leib“ ist in der biblischen Sprache nicht nur ein anderes Wort für Körper, sondern meint den Menschen vollkommen und in seiner Ganzheit und jeder Weise seines Lebendigseins.
Und dass das so ist, braucht keinerlei Vorleistung von uns. Paulus erinnert daran, dass das schlicht so IST- fast wie ein Lebensgesetz.

Und somit ist das Pfingstfest, das Fest der Geistausschüttung im Grunde ein zweites Weihnachtsfest, denn wie an Weihnachten mit Gottes Menschwerdung verbindet Gott sich auch an Pfingsten mit seiner Geistgabe unverbrüchlich mit uns Menschen.

Und das, was in unseren Ohren wie eine Besitzstandklärung klingt: Ihr gehört nicht euch selbst - gibt keinem modernen Sklaventum recht, sondern erinnert daran, dass wir aus Gottes Ruf im Leben sind und sich in ihm auch unser Leben erfüllt, wenn wir sterben. Wie könnte dann das „dazwischen“, die Jahre und Jahrzehnte unseres Lebens, nicht auch durchwoben sein von Gottes Nähe?

Ihre






Gemeindebrief 214

Februar, März und April 2016

Spuren

Gott spricht:

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

Jes 66,13 (Jahreslosung für 2016)

Im Advent haben wir es gesungen: Wo bleibst du Trost der ganzen Welt? (eg 4, 7) - und nun haben wir das Neue Jahr mit der Zusage von Gottes unbedingtem Trost begonnen - getröstet wie von einer Mutter.

Trost - das ist mehr als ein: "Alles wird gut." oder: "Ist doch alles nur halb so schlimm!"

Trost greift tiefer und reicht weiter.

Trost bedeutet die Kraft und Macht des Schmerzes bei dem Menschen mir gegenüber anzuerkennen. Seine Situation weder schön zu reden noch glatt zu streicheln, sondern den Menschen zu sehen in all seiner Trostlosigkeit. Trost bedeutet, mit ihm zu sein, gemeinsam mit ihm die Kraft und Macht des Schmerzes auszuhalten und den Grund unter seinen Füßen wieder zu stärken, indem man es wagt, als Zeugin oder Zeuge seines Schmerzes stellvertretend für ihn zu hoffen.

Die Frage nach Trost verweist letztlich auf die Urfrage:

Worauf kann ich mich verlassen? Was hält mich im Leben und im Sterben?

Echter, wahrer Trost ist anders als die bloße Vertröstung alltagstauglich - lebens- und sterbenstauglich.

Gerade in den dunklen Stunden des Lebens erweist es sich, ob wir bei Trost sind,

ob es da etwas - jemanden - gibt, der hält, wenn alles wankt, der stärkt und wieder aufstehen lässt wie Elija auf seinem Weg zum Horeb - und der die Richtung weist, obgleich der nächste Schritt im Dunkeln liegt.

Als so tröstender Gott, hat sich Gott in Jesus gezeigt.

Als so daseiender Gott hat er sich in Jesus Menschen zur Seite gestellt.

Als so mitgehender Gott hat er in Jesus mit anderen den Schmerz getragen und für sie gehofft.

So begegnet uns Gott auch heute.

Mögen wir ihn Vater nennen oder Mutter, und Jesus Freund oder Bruder - immer ist dasselbe ausgedrückt:

Gott ist unbedingt für uns - für jeden Menschen.

Er tröstet, wie einen seine Mutter tröstet.

Ein kraftvolles Jahr wünsche ich Ihnen Ihre






Gemeindebrief Nr. 213

November, Dezember 2015 und Januar 2016

Wohnen

Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!

Und er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein

und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;

und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen,

und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei noch Schmerz wird sein;

denn das Erste ist vergangen.

Offb 21, 3b-5

Was für eine großartige Vision malt der Seher Johannes mit seinen Worten - die Vision von einer Welt, die ganz anders ist und die doch unsere Welt bleibt!

Die Vision einer Welt, in der Gott nicht nur gelegentlich zu Gast ist, sondern in der er WOHNT.

Die Vision davon, dass dadurch unsere Einsamkeit geheilt ist.

Diese Einsamkeit, die wir uns kaum jemals gestatten zu fühlen und die wir lieber überdecken mit Zerstreuung aller Art - diese Einsamkeit ist das tief in uns verwurzelte Wissen, dass wir im Grunde getrennt sind - abgetrennt, von DEM, der uns ins Leben rief und der uns nährt und trägt.

Kein Wunder, dass diese Verse für viele zu einem Trosttext werden, wenn sie einen geliebten Menschen zu Grabe tragen müssen. Denn dann spürt man das Alleingelassensein ja besonders und nicht selten fühlt man sich wie abgeschnitten von dem, was das Leben lebendig macht. Und so weckt jede Trennung hier, jeder Verlust, den wir erleben, die tief in unseren Seelen verankerte Erinnerung an die Trennung von Gott, die die Bibel mit der Vertreibung aus dem Paradies in anschauliche Bilder fasst.

Das - so sagt die Bibel - ist unsere menschliche Wirklichkeit.

Und mitten hinein in diese Wirklichkeit klingen plötzlich die himmlischen Stimmen, die singen:

"Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" (Lk 2, 14)

es wird Weihnachten.

Wir feiern, dass Gott zur Welt kommt, in ihr leben und sterben wird.

Wir feiern, dass Gott Wohnung nimmt bei uns.

Die Vision des Johannes wird wahr. Sie wird nicht auf die Weise wahr, dass unsere Welt plötzlich eine ganz andere wäre. Sie wird wahr, weil IN unsere Welt der GANZ ANDERE hineinkommt: Die Vision des Sehers Johannes von der neuen Welt wird zu einer Wirklichkeit IN unserer Welt - nicht nur zu Weihnachten.

Wenn wir sie auch nach Weihnachten mitnehmen, werden wir auch im neuen Jahr immer wieder die Erfahrung des Trostes und der Freude machen.

Ihre






Gemeindebrief 212

August, September und Oktober 2015

Rot

- nachgespürt und angedacht -

In diesen Tagen, in denen dieser Gemeindebrief zu Ihnen in die Häuser
gelangt, versammeln sich tausende Jugendliche aus aller Welt und
auch einige Erwachsene an dem kleinen Ort Taizé in Burgund in Frankreich.
Vor 75 Jahren hatte der junge Schweizer Pfarrer Roger
Schutz dort ein Leben in Gemeinschaft und Engagement für die Benachteiligten
und Verfolgten begonnen. In den Kriegsjahren nahm er
Flüchtlinge und Verfolgte auf, später begann er sich für die Ärmsten
der Erde und für Frieden und Versöhnung einzusetzen. Als sich ihm
andere junge Männer anschlossen, gaben sie sich als Richtschnur für
ihr gemeinsames Leben eine einfache Lebensregel:


Lass an jedem Tag Arbeit und Ruhe von Gottes Wort ihr Leben
empfangen. Wahre in allem die innere Stille, um in Christus zu
bleiben. Lass dich durchdringen vom Geist der Seligpreisungen:


Freude, Einfachheit, Barmherzigkeit


Immer mehr Menschen wurden von der schlichten Schönheit ihres
gemeinsamen Lebens und der Klarheit ihres Engagements angezogen,
sodass die Communauté de Taizé entstand. Vor allem junge Menschen
spürten am Beispiel der Brüder, dass sich ihnen hier öffnete, wie ihr
Leben zu einer Tiefe und Weite finden kann auch in ihrem Alltag zuhause.
Das hat sich auch nicht verändert als Frère Roger im August
2005 starb. In diesem August werden wieder tausende Jugendliche
in der Begegnung untereinander auf die Suche gehen, was es bedeutet
einfach zu leben und wie sie die Kraft zu Frieden und Versöhnung
in ihre Herkunftsländer und Gemeinden tragen können. Die schlichte
Zusammenfassung der Regel von Taizé weist dabei immer wieder neu
den Weg - ein Weg, der sich wohl zu gehen lohnt.

Ihre






Gemeindebrief 211

Mai, Juni und Juli 2015

Un-(endlichkeit)

Jetzt

Zwei kleine große Worte begleiten mich seit einiger Zeit.

Das eine Wort ist das Wörtchen UND. Darüber habe ich schon bei verschiedenen Gelegenheiten erzählt. Das andere kleine große Wort ist das Wort JETZT.

JETZT

dieser Augenblick, ist das Leben.
JETZT

verbindet Zeit und Ewigkeit.
Nur im

JETZT

kann Leben sich ereignen.

Nur

JETZT

- in immer genau diesem Augenblick -

kann ich Mensch sein und nicht im Gestern und im Morgen.
Alles Gestern ist Vergangenheit und alles Morgen ist Zukunft.

In dem Wort "Jetzt" finde ich das zweite große Grundwort unseres Glaubens:

Gott der Ewige, der ohne Anfang und ohne Ende Seiende,

kommt ins Leben und wird Mensch.

Damit unterwirft sich der Unendliche der Endlichkeit

und die Ewigkeit zieht das Kleid des Augenblickes an.

Seitdem ist Gott gegenwärtig da.

Seitdem ist Gott

niemals im Irgendwann-einmal, im Früher oder Später zu finden,

sondern immer nur

JETZT


Ich wünsche uns allen in jedem Augenblick das Gespür für die Ewigkeit.

Ihre






Gemeindebrief 210
Februar, März und April 2015

Soziale Netzwerke

Social Network

Nehmt einander an,
so wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.
Röm 15, 7 (Jahreslosung für 2015)

Einander annehmen - ja.
Aber, was ist das, Annahme?
Es muss mehr sein als leben und leben lassen nach dem Motto: Jeder Jeck ist anders.
Es muss weiter reichen als Toleranz, vielleicht sogar Respekt.
Wenn es darum geht, dann kann ich den anderen sein Ding machen lassen, solange er meinen Frieden nicht stört.
Innendrin kann ich mir meinen Teil denken. - Aber genau um das Innendrin geht es.
Diese Jahreslosung weist mich zu dem Dreifachgebot der Liebe.
Auf die Frage, was das höchste Gebot sei, sagt Jesus:

Du sollst Gott lieben und deine/n Nächste/n wie dich selbst.
(Lk 10,27)

Und diese Dreiheit ist keine Rangordnung wie: Hauptsache du liebst Gott, wenn dann noch Zeit ist, auch deine/n Nächste/n. Dich selber lieben kann dann noch als Luxus dazu kommen.
Nein - Es gibt nur eine Liebe und die will und soll gelebt werden. Sie ruft in jeder Hinsicht nach Ausdruck.
Und wenn ein Teil nicht stimmt, dann krankt auch das andere.
Anders gesagt:

Mich mit liebevollem, weitem, demütigem und barmherzigen Herzen anderen Menschen zuwenden, ist nur möglich, wenn ich mir selber ebenso begegnen kann,
Gott lieben kann ich nicht abstrakt. Ich muss ihn auch in jedem Mitmenschen suchen und sehen.
Wirkliche Selbstliebe, die keine Selbstverliebtheit ist, führt unweigerlich zur Dankbarkeit Gott gegenüber.

Die Jahreslosung führt uns also zu dem Kern unseres christlichen Glaubens.
Und sie führt uns zu der Frage: Lebe ich bejahend - andere, mich selber und in allem Gott liebend oder lebe ich im Widerstand und im Schulterschluss mit Abergeistern, die Grenzen ziehen und Mauern aufbauen zwischen mir und anderen, zwischen mir und Gott, zwischen mir und dem Leben.
Ob es uns gelingen kann, uns je persönlich und als Gemeinde von dieser Jahreslosung durch 2015 leiten zu lassen?
Ich wünsche es uns allen! Ihre






Gemeindebrief 209
November und Dezember 2014 und Januar 2015

Frieden

Ehre sei Gott in der Höhe

und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Lk 2,14

Dieser Vers stammt aus der Weihnachtsgeschichte. Er berichtet von dem Engelsgesang, den die Engel auf dem Feld bei den Hirten anstimmen, nachdem sie ihnen die Geburt Jesu verkündet haben.
Mit Ihrem Gesang spannen sie einen großen Bogen von den höchsten Himmeln bis auf die Erde hinab zu denen, von denen wir gerne sagen, dass sie am niedrigsten stehen.
Gott und Menschen - Gottes Größe und die vielleicht tiefste Sehnsucht von uns Menschen, die Sehnsucht nach Frieden werden miteinander verbunden.
Seit Weihnachten wissen wir, dass beides zusammengehört, untrennbar miteinander verbunden ist: Die Ehre Gottes und der Friede auf Erden - Gott und Mensch.
An Weihnachten - berühren sich Himmel und Erde - wie es in einem modernen Kirchenlied heißt.
Frieden wird also immer da möglich und wahr, wo wir ihn herausnehmen aus dem allein Menschen- machbaren, aus dem, was wir aus eigener Kraft wirken können.
Frieden ereignet sich da, wo Gott mitgedacht wird, wo Gott eingelassen wird in unsere Menschenwirklichkeit.
Frieden wird Wirklichkeit, wo wir unser Zusammenleben im Kleinen wie im Großen und ebenso unser eigenes Leben offenhalten für Gottes Dasein.
Jedes Überwinden von Streit und Konflikten, jede zwischenmenschliche Begegnung in Achtung voreinander, jede Geste, die Brücken schlägt, jedes Wort, das verbindet, statt zu verurteilen - auch jede Versöhnung mit sich selber - wird zu einem Lob Gottes.
Und umgekehrt wird jedes Lob Gottes hohl und schal, wenn es nicht einhergeht mit der steten Suche nach dem, was Frieden schafft.
Wenn beides zusammengeht, da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns.
Dass beides zusammengeht - Gotteswahrheit und Menschenwirklichkeit - das feiern wir an Weihnachten.

Möge das Fest für Sie in diesem Sinn fried-voll und segensreich sein!

Ihre






Gemeindebrief 208
August, September und Oktober 2014

Sehnsuchtsorte

Lebt als Kinder des Lichts;
die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.
Eph 5,8f
Monatsspruch für September

Viele Menschen sind damit groß geworden, dass es eine ausgesprochen christliche Tugend ist, bescheiden zu sein, sich selber zurück zu nehmen, immer lieber in der zweiten Reihe zu stehen, statt in der ersten.
Unsere gesellschaftliche Entwicklung weist in eine andere Richtung: Will man nicht untergehen oder es sogar zu etwas bringen, ist es nötig, die eigenen Gaben und Fähigkeiten gut zu vermarkten: Warum bin gerade ich besonders gut für diese ausgeschriebene Stelle geeigenet... ist z. Bsp. eine Frage, die es in einer Bewerbung zu beantworten gilt.
Beide Haltungen sind aber weder christlich noch biblisch.
Im Neuen Testament, in der Botschaft Jesu und bei Paulus öffnet sich ein dritter Weg, ein Weg jenseits von tugendhafter Bescheidenheit und dem sich selber ins gute Licht rücken.
Auf diesem dritten Weg geht es um die Anerkenntnis dessen, was wir, jede und jeder Einzelne, von Gott aus gesehen sind, nämlich Gottes Ebenbilder und seine Kinder. Und es geht darum, das nicht nur mit dem Verstand zu begreifen, sondern sich in Fleisch und Blut übergehen zu lassen (wo es ja im Grunde schon ist) und zu leben.
Und herauskommen wird weder ein sich selber verkrampft Zurücknehmen, noch ein sich ständig größer machen als man ist. Herauskommen Menschen, die aus sich selbst heraus leuchten und andere als ebenso leuchtend ansehen und achten können.
Ich glaube, diesen „dritten Weg“ zu gehen, gehört zu den größten Herausforderungen, die sich unser Menschsein stellt: Wie groß die Versuchung ist, Gottes Geschenk der Gotteskindschaft an uns zu missachten, indem wir uns klein oder groß machen, davon erzählt die Bibel ebenfalls in vielen Geschichten.
Nelson Mandela, der beide Versuchungen gut kennt, zitiert bei seiner Antrittsrede als Präsident von Südafrika die amerikanische Schriftstellerin Marianne Williamson und sagt:

Unsere tiefste Angst ist nicht die vor unserer Unzulänglichkeit.
Unsere tiefste Angst ist die Angst vor unserer unermesslichen Kraft.
Es ist das Licht in uns, nicht die Dunkelheit,
die uns am meisten ängstigt.
Wir fragen uns: Wer bin ich, dass ich von mir sage,
ich bin brillant, ich bin begabt und einzigartig.
Ja, im Grunde genommen: Warum solltest du das nicht sein?
Du bist ein Kind Gottes.
Wenn du dich klein machst, hilft das der Welt nicht.
Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du glaubst,
zusammenschrumpfen zu müssen,
damit sich die Leute um dich herum weniger unsicher fühlen.
Wir sind geboren, um Gottes Glanz zu offenbaren, der in uns ist.
Gottes Glanz ist nicht nur in wenigen von uns,
Gottes Glanz ist in jedem Menschen.
Wenn wir unser eigenes Licht scheinen lassen, geben wir anderen ebenfalls die Erlaubnis, ihr Licht scheinen zu lassen.
Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreien,
befreien wir mit unserer Gegenwart auch andere.

Ich glaube, dass ein Leben in dieser Haltung Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit unter uns aufrichtet.
Ihre






Gemeindebrief 207

Mai, Juni und Juli 2014

Grün

Für jedes Kalenderjahr gibt es eine Losung, die durch das Jahr begleiten soll. Das war auch im Jahr 1964 so, als unsere Kreuzkirche eingeweiht wurde.
Damals stammte die Losung aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 8, Vers 6 und lautete:

Wir haben einen Herrn, Jesus Christus,
durch welchen alle Dinge sind und wir durch ihn.


Es ist ein Satz des Apostels Paulus. Und es ist einer der neutestamentlichen Sätze, die eine große Klarheit und Festigkeit ausstrahlen. Hört man diesen Satz, scheint es nur zwei Möglichkeiten zu geben: Entweder man sagt: Ja, so ist es! oder man sagt:

Nein, das glaube ich nicht!

Es ist ein Aussagesatz über den Glauben und aus dem Glauben, an dem sich die Geister scheiden können.
Klarheit und Festigkeit gehören auch zum Kern von Jesu Botschaft, der sagte:

Eure Rede sei: Ja, Ja oder Nein, Nein. (Mt 5,37)

Ich glaube, dass Klarheit und Festigkeit in unserer Zeit der vielfältigen und oft auch überfordernd vielen Eindrücke und Informationen und der schnell wechselnden Meinungen und Trends besonders wichtige Eigenschaften sind.
Gleichzeitig glaube ich auch, dass Klarheit und Festigkeit nicht mit Engheit und Starrheit verwechselt werden dürfen.
Deswegen ist dieser zentrale Glaubenssatz aus dem 1. Korintherbrief nicht ein Kriterium, an dem wir als Gemeinde die messen, die zu uns kommen und ihren Glauben beurteilen, sondern er ist die Aufforderung und Einladung an uns einzelne Christenmenschen und an uns als evangelische Gemeinde Jesu Christi in Hüls uns selber immer wieder in diesem Grund Jesus Christus zu verankern und verankern zu lassen. Mit festen Stand auf festem Grund geraten wir nicht so leicht in die Gefahr, den Halt zu verlieren, wenn wir unsere Herzen und Sinne und unsere Arme weit öffnen und die Begegnung mit allen Menschen wagen.
Der zweite Teil des Paulussatzes kann uns dabei leiten:

Durch Christus sind alle Dinge und wir durch ihn.

Christus lebt und wirkt in allen Dingen und Menschen - an uns ist es nicht, das in Frage zu stellen - und wir leben und wirken, weil er uns Kraft und Vollmacht dazu gibt.
Ich wünsche mir für unsere Kreuzkirchen-Gemeinde, dass wir stetig gemeinsam danach suchen, wie wir unsere Kirche und Gemeinde, die Begegnung untereinander und mit den Menschen, die zu uns kommen, mit eben dem Leben füllen, das durch das Kreuz sichtbar wird: fest verankert, himmelwärts hoch aufgerichtet und weit offen.
Ihre






Gemeindebrief 206

Februar bis April 2014

Männer

Kreuz und Quer
Der gekreuzigte Christus,

den Juden ein Ärgernis,

den Griechen einTorheit;

denen aber, die berufen sind,
(...) Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

(1. Kor 1, 23)

Erinnern Sie sich noch an die Frage darüber, ob Kreuze in Schulen und öffentlichen Gebäuden sichtbar an der Wand hängen dürfen?
Hoch schlug damals die Welle der öffentlichen Diskussion.
Das Kreuz als Stein des Anstoßes.
Das Kreuz - vor allem das Kruzifix - sollte aus der Öffentlichkeit und aus allen nicht ausschließlich kirchlich genutzten Gebäuden verschwinden.
Kindern sollte nicht zugemutet werden, unter einem Tötungsinstrument an der Wand oder über der Tafel im Klassenraum lernen zu müssen, und Kreuze sollten auch aus Gerichtssälen entfernt werden aus Respekt vor anders Denkenden und Glaubenden und als Ausdruck der Religionsfreiheit und der Toleranz.
Wichtige und nachvollziehbare Argumente und Gedanken.
Dass Kinder nicht erfahren sollen, dass Gewalt etwas Gutes ist, ist außerordentlich wichtig, ebenso wie Toleranz und Religionsfreiheit und die Achtung vor Menschen jedweden Glaubens wie ihres Glaubens selber unverzichtbar sind.
Keine Frage: Das Kreuz ist ein sperriges Symbol. Diese Erfahrung hat auch schon Paulus gemacht.
UND es ist mitnichten nur ein Symbol für den Tod oder gar für Gewalt und deren Verherrlichung oder wenigstens deren Inkaufnahme als Teil unseres Glaubens.
„Wir müssen das Kreuz vom Leid befreien,“ sagte vor wenigen Tagen ein katholischer Kollege in einem Gespräch.
Ich denke, wir müssen wieder entdecken, dass das Kreuz für Leben und für Liebe steht, für Gottes Öffnung für die Welt in ihrer Tiefe und in ihrer Weite und dafür, dass Gott einen Brücke vom Himmel zur Erde und zurück geschlagen hat.
Das ist eine einfache Wahrheit. So einfach, dass wir sie nicht verstehen, wenn wir das Kreuz „von außen“ betrachten, diskutieren, beurteilen, sondern, wenn wir sie in uns hineinnehmen.
Ein simple Übung kann dabei helfen: Wenn etwas uns in unserer Seele bedrückt; wenn wir im Streit mit jemandem sind; wenn Traurigkeit oder Einsamkeit uns wünschen lässt, uns in uns selber zu verkriechen: und wir uns dann aufrecht hinstellen, die Füße fest auf den Boden, und den Kopf gerade und erhoben... wenn wir dann die Arme weit ausbreiten und in die Haltung eines Kreuzes gehen, dann kann es sein, dass wir spüren, wie alle Herzensenge, alle Seelenpein, jeder Hader, Streit oder Hass es plötzlich viel schwerer mit uns haben.
Und über solch einer leibhaftigen Erfahrung können wir beginnen zu verstehen, warum und wie das Kreuz eine Kraft und Weisheit Gottes ist.

Eine segensreiche Passionszeit und ein lichtvolles Ostern wünsche ich Ihnen!

Ihre






Gemeindebrief 205

November und Dezember 2013

und Januar 2014

Worte

Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte.
Psalm 73,28 - Jahreslosung für 2014

Freude

Wann habe ich mich das letzte Mal gefreut

von Herzen gefreut,

jubelnd gefreut

tanzend gefreut

still und tief gefreut?

Freude

- Was ist meines Lebens Freude?

- Was macht mich von Herzen froh?

Gibt es in mir, in meinem Leben einen Brunnen,

aus dem ich schöpfen kann

Lebenskraft und Lebensfreude

täglich neu?

Spaß

Spaß muss sein - keine Frage

Zeitvertreib aus purer Lust am Leben

Leichtigkeit

kein "Du musst" im Nacken

Kindisch sein und albern - einfach mal so

und lachen -

lachen, dass der Bauch wackelt -

einfach weil es Spaß macht.

Kann ich noch Spaß haben in meinem Leben und noch Spaß verstehen?

oder Ödet mich mein Leben so an, dass ich mich zu Tode bespaßen lasse?

Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte.
Tragkraft in der Tiefe,

die auch dann noch hält

und Brunnen aus dem ich auch dann noch schöpfen kann,

wenn mir in meinem Leben der Spaß vergeht:

Gottes Dasein in meinem Dasein

Gottes Leben in meinem Leben

Gottes Kraft in meiner Kraft

Gottes Freude als Quelle meiner Freude.

Möge Ihnen diese Quelle sprudeln in dem Jahr 2014, das vor uns liegt,

auf dass Ihnen Ihr Leben Spaß machen möge und Sie gerne leben.






Gemeindebrief 204

August, September und Oktober 2013


Farbe bekennen

Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt,

hast mir das Trauergewand ausgezogen und mich mit Freude umgürtet.

Ps 30,12

Psalmen, diese alten Gebete aus Israel, in denen der Beter oder die Beterin sein / ihr ganzen Leben und Erleben Gott zu Füßen legt, in sein Ohr klagt und singt und ihm ans Herz legt, was sein oder ihr Herz beschwert, haben ihren festen Ort in unseren Gottesdiensten. Mit ihnen verbinden wir uns mit unseren jüdischen Schwestern und Brüdern im Glauben an den einen Gott Israels.

Schon manches Mal habe ich mich beim Beten der Psalmen gefragt, was wohl die Menschen von damals über unsere Weise, sie zu beten, denken würden, wüssten sie, dass wir die Psalmen meistens im Wechsel lesen.

Viele Psalmen beginnen mit einer Melodie und Instrumentenangabe, z. Bsp. Psalm 9: "Zu singen nach der Weise 'Schöne Jugend'" oder Psalm 6: "Vorzusingen beim Saitenspiele auf acht Saiten" (Ps 6)

Und die bilderreiche Sprache der Psalmen lässt ahnen, dass es oftmals nicht nur beim Singen und Instrumentalspiel geblieben ist, sondern die Gebetsworte mit Gebärden, wie dem Erheben der Hände, dem sich Niederwerfen auf den Boden unterstützt wurden und die vor Gott gebrachten Sorgen und Freuden Ausdruck in einem Tanz fanden.

Und ein großer Gebetsreichtum eröffnet sich in den Worten der Psalmen und über ihre Worte hinaus.

Ich bekomme Lust, es den Psalmbetern gleichzutun und meine Hände bittend zum Himmel zu erheben, meinen Körper in Anbetung zu neigen und meine Füße in den Tanz finden zu lassen vor Freude über das geschenkte Leben und Gottes Schönheit, die ich darin erblicken kann.

Und als ich es tue, ist es, als öffne sich nicht nur mein Mund, sondern auch mein Ohr und mein Herz, mein ganzer Leib und nicht mehr ich bete, sondern das "Beten geschieht mir". Ich, die ich mich eigentlich zu Gott trauen und mein Leben in sein Licht stellen wollte, erkenne, dass Gott schon längst zu mir gekommen ist. Und auf diese Weise betend betend erfahre ich: Nicht ich muss mein Leben zurecht bringen: Gott durchbetet mich und durchliebt mein Leben. Meine Klage hat er in Tanz verwandelt und mich mit Freude umgürtet.

Bleiben Sie alle in Seinem Segen,

Ihre






Gemeindebrief 203

Februar, März und April 2013

Paulus

AN(ge)DACHT

In diesen Tagen, in denen ich meine Beiträge zu diesem Gemeindebrief schreibe, hat die Katholische Kirche seit Kurzem ein neues Oberhaupt: Jorge Mario Bergolio, Papst Franziskus.

Zur Zeit sind die Medien voll mit Nachrichten und Meinungen über diesen neuen Papst. Besonders wird dabei immer wieder über seinen Namen gesprochen und darüber, dass er in seiner Predigt zu seiner Amtseinführung noch einmal besonders Zärtlichkeit, Barmherzigkeit und Liebe allen Menschen, ja der ganzen Schöpfung gegenüber einforderte. Sein selbstgewählter Papstname „Franziskus“ legt diese Achtung vor der ganzen geschaffenen Welt nahe, denn der Heilige Franziskus von Assisi, der Namenspatron von Papst Franziskus, lebte und predigte u.a. eben diese Achtung vor allen Mitgeschöpfen, gleich ob Mensch oder Tier oder Pflanze oder Gestirn.

Mich erinnerten diese Worte des neuen Papstes an den in den 80er Jahren ausgerufenen ökumenischen „Konziliaren Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ auf Initiative der Kirche in der damaligen DDR.

Getragen wurde dieser Konziliare Prozess von dem Bewusstsein, dass keiner der drei in ihm vereinten Aspekte ohne die beiden anderen Verwirklichung finden kann. Frieden kann sich nur dort ereignen, wo Gerechtigkeit herrscht und die ganze Schöpfung geachtet wird. Gerechtigkeit in einer unfriedlichen oder unachtsamen Welt ist nicht in der Tiefe möglich und die Schöpfung zu bewahren und zugleich Schwester oder Bruder in der Nähe oder Ferne zu missachten spottet sich selber.

Nun frage ich mich, ob die Zeit nicht reif ist, diesen Konziliaren Prozess wieder ins Bewusstsein zu rufen und im Großen und Kleinen sichtbare Zeichen zu setzen für den Frieden, die Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung und gemeinsam Schritte zu tun - hier in Hüls als ökumenische Initiative der beiden Konfessionen.

Getragen und motiviert sollen solche Schritte und Zeichen vor Ort von einer weiten ökumenischen Haltung sein, die darum weiß, dass das Wissen um Gottes Sein in der ganzen geschaffenen Welt tief im Bewusstsein vieler Völker und Religionen verwurzelt ist - und wir darüber zu einer neuen Geschwisterlichkeit jenseits aller Dogmatik oder Gleichmacherei finden können.

Gott schläft im Stein

er atmet in der Pflanze,

er träumt im Tier

und er erwacht im Menschen.

sagt ein indisches Sprichwort.

Gott braucht uns Menschen, damit seine ganze geschaffene Welt in Frieden leben kann, Mensch und Tier und Natur Gerechtigkeit widerfahren und in Achtung leben und sich entfalten können.

Gott erwacht im Menschen

Wie großartig wird der Mensch dadurch nicht von Gott gedacht!

Und wie groß ist damit die Verantwortung des Menschen auf Gottes Sinn hin, die Welt zu gestalten.

Wer wagt es, sich gemeinsam mit anderen dieser Verantwortung wieder einmal neu zu stellen?

Ihre






Gemeindebrief 202

Februar, März und April 2013

Blau

Eure Rede sei „Ja, ja“ oder „Nein, nein“. Was darüber ist, ist von Übel.
Mt 5, 37

Wir müssen uns entscheiden.
Jeden Tag in unserem Leben treffen wir Entscheidungen. Es beginnt am Morgen damit, welche Kleidung wir anziehen wollen und geht weiter damit, welche Brötchen wir kaufen wollen.
In diesen, wie auch in vielen anderen Bereichen des Lebens, fällt uns das Entscheiden leicht. Ja, oft genug geht es so selbstverständlich, dass es uns überhaupt nicht mehr der Rede wert erscheint.
Bei den größeren Dingen im Leben ist es da schon anders.
Welchen Beruf wir ergreifen und erst Recht mit welchem Menschen wir unser Leben verbringen wollen, das sind große und wichtige Entscheidungen.
Und im Grunde liegt hinter jeder Entscheidung doch die Frage:
• Was dient meinem Leben?
• Was muss ich tun und welche Richtung muss ich einschlagen,
damit mein Leben – und sei es nur dieser eine Tag oder das
Frühstück „gut“ wird?

Denn „gut“ soll unser Leben ja sein.
„Gut“ – das kann bedeuten, dass unser Leben nicht stehen bleibt und immer weiter geht.
„Gut“ – das kann bedeuten, dass wir etwas wirken und bewirken können, wir unser eigenes Leben und unsere Welt gestalten können.
„Gut“ – das kann bedeuten, dass ich nicht mit gegen mich oder gegen mein Leben kämpfe, sondern auch wenn nicht alles immer so ist, wie es sein soll, ich doch grundsätzlich Frieden habe mit dem Leben und mit mir selber.
„Gut“ - ja, so soll das Leben sein.

Wir feiern bald wieder das Osterfest.
Dieses Fest ist das Fest der Entscheidung Gottes für das Leben – für unser Leben – und dafür, dass es gut ist.
Mit dem Osterfest feiern wir, dass Gott „Nein“ sagt zu allen „Neins“ des Lebens, zu allem, was dem Leben widerspricht.
Mit dem Osterfest feiern wir Gottes großes „Ja“ zum Leben, das er nicht müde wird, immer wieder in die Welt zu setzen.
Aus diesem „Ja“ ist die Welt geworden.
Dieses „Ja“ hat das Schicksal seines Volkes für seine Verheißung offen gehalten und hält es immer noch offen.
Mit diesem „Ja“ hat Gott selber Wohnung in unserer Welt genommen – als kleines Kind.
Durch dieses „Ja“ leben wir nicht allein, sondern in und mit seiner Geistesnähe.

Wir müssen uns entscheiden – jeden Tag im Leben viele Male.
Und wenn es uns einmal schwer fallen sollte, die richtige Entscheidung zu treffen, mag es uns helfen, uns zu erinnern: Gott hat sich für uns und unser Leben entschieden.

Ich grüße Sie sehr herzlich Ihre






Gemeindebrief 201

November und Dezember 2012 und Januar 2013

Würde

Ein Ort, an den ich gehöre.
Geborgenheit und Sicherheit.
Ein Ort, an dem ich verwurzelt bin und ein Ort, an dem ich wachsen kann.
Ein Ort zum SEIN – Dasein, Menschsein, Selbstsein.
Ein Ort, an dem das Atmen leicht fällt.
Ein Ort – mit Menschen – zu dem sich meine Sehnsucht richtet, bin ich nicht dort.
Der Ort, an dem ich immer leben möchte – und sterben.
Heimat.

Unruhe.
Spüren: ich bin noch nicht da.
Etwas fehlt.
Was ist das nur?
Es zieht mich und ich weiß nicht wohin.
Sehnsucht, die selbst dann nicht schweigt, wenn alles „gut“ ist –
das Leben und der Alltag,
die Menschen, die mich umgeben,
der Ort, an dem ich bin.
Gäste sind wir und Fremdlinge.

In dieser Spannung leben wir.
Wir finden Orte und wir finden Menschen, die uns Heimat und Geborgenheit geben, wo wir uns verwurzelt fühlen und wo wir wachsen können.
Und zugleich sind wir Menschen mit Sehnsucht begabt.
Wir wissen, dass wir zur Erde gehören, denn von Erde sind wir gemacht und zu Erde werden wir wieder. Gleichzeitig wohnt ein tiefes Wissen in uns, dass in all unserer Geschöpflichkeit der ewige Gott in uns atmet.
Und bei aller Heimat, die wir an realen Orten finden, oder die wir uns bauen mit Menschen und in Dingen, die uns erfüllen, bleibt die Sehnsucht nach dem, was die Bibel das Paradies nennt und was letztlich ein Bild für ein Leben ohne Gebrochenheit und ohne Leiden an sich selbst und an der Unvollkommenheit unserer menschlichen Beziehungen ist.
Die Erfüllung dieser Sehnsucht erwartet die Bibel nach dem Tod. Einen Vorgeschmack, eine Vorwegnahme dieser Erfüllung sagt Jesus zu jeder Zeit an:
Das Reich Gottes ist mitten unter euch. Also geht und tut es.
Dass dieses Reich Gottes, diese Erfahrung des Friedens und der gestillten Sehnsucht, in unserer Gemeinde und für Sie alle aufleuchten möge, dazu soll uns die Losung aus dem Hebräerbrief für das Jahr 2013 leiten.
Ihre





Gemeindebrief 200
August, September und Oktober 2012



Seelsorge an ungewöhnlichen Orten

Was für ein wunderbar tröstlicher Satz ist doch dieser Vers aus dem 147. Psalm, der als Monatsspruch durch den Monat August begleiten kann:

Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind,

und verbindet ihre Wunden. Ps 147, 3

Bilder aus anderen Zeiten werden bei diesen Worten wach.

Bilder von mütterlichen Händen, die Pflaster auf aufgeschlagene Knie kleben und von warmen Armen, die umfangen und trösten und wiegen bei großem Seelenschmerz.

Bilder, die trotz des Schmerzes, von dem sie erzählen, doch anmuten wie eine heile Welt.

Und war es nicht auch so für viele von uns als Kind:

- Dass das Knie nach einem Sturz nicht mehr weh tat, war wichtig. Wichtiger aber war noch, dass liebevolle Lippen auf die Wunde pusteten und behutsame Hände ein Pflaster darauf klebten.

Ebenso:

- Dass der Seelenkummer aufhörte, war wichtig. Wichtiger aber war noch, dass es jemanden gab, der einen in dem Kummer hielt.

Und ich denke, dass in dieser kindlichen Urerinnerung von Trost und Heil die tiefe Wahrheit verborgen liegt, wie auch Gott heilt und tröstet.

Er heilt ganz anders als ein Arzt oder eine Ärztin es tut, die eine Krankheit diagnostiziert und dann die Symptome der Krankheit mit Medikamenten behandelt.

Gott heilt nicht gegen das, was Schmerzen verursacht, sondern er heilt mit dem Schmerz und durch den Schmerz hindurch.

Er macht nicht, dass es möglichst schnell nicht mehr weh tut an Herz und Seele, sondern gibt als Medizin einen Trost und eine Kraft zuerst mit dem Schmerz zu leben –

und dann Schritt für Schritt von der Erfahrung des Schmerzes sich wandeln zu lassen zu einem Leben mit großer Tiefe.

- Zu einem Leben, wie es nur gelebt werden kann von Menschen, die den Schmerz kennen und annehmen,

die ihn nicht zu betäuben oder verdrängen suchen, sondern ihn als etwas begreifen, das zu unserem menschlichen Leben – ja zu unserem Menschsein dazu gehört.

Einen reichen Spätsommer und Herbst wünsche ich Ihnen

Ihre



Gemeindebrief 199

Mai, Juni und Juli 2012

Kirchenknigge

Der Geist des Herrn erfüllt das All…
(eg566)


Haben Sie schon einmal eine fremde Wohnung oder ein fremdes Gebäude
betreten und sich unwillkürlich gefragt:
Welcher Geist herrscht hier? –
Haben Sie schon einmal in dem Miteinander mehrerer Menschen gespürt,
dass da ein besonderer Geist herrscht?
Unsere Welt ist voller Geist.
Es gibt den Geist der Liebe und den der Dankbarkeit.
Es gibt den Geist der Freude und den der Achtsamkeit.
Es gibt den Geist des Neides und den der Gleichgültigkeit.
Es gibt den Geist des Streites und den des Widerspruchs.
Es gibt unendlich viele Geister, die in unserer Welt, in unserem Miteinander,
in unseren Räumen und Gebäuden, in unserem Leben herrschen.
Die Bibel erzählt, dass der Geist Gottes schon vor allem Anfang da war
und dass aus ihm die Welt wurde und er seitdem die Welt „am Leben“
hält, sie bewegt und erfüllt.
Und dieser Geist Gottes ist nicht gebunden an Kirchen oder Konfessionen,
an sog. Rechtgläubigkeit oder an „anständiges Leben“.
Er weht, wo er will und er ist ein Geist der Freiheit und des Lebens.
Das bedeutet: Überall dort, wo Freiheit ist oder erstrebt wird; überall
dort, wo dem Leben gedient wird – in welcher Form auch immer –
dort weht Gottes Geist.
Welcher Geist oder welche Geister herrschen in Ihrem Leben?
Hat der Geist Gottes dort seinen Raum?
Er braucht nicht mehr als Ihr Herz, das sich öffnet, um Freiheit und
Leben groß zu machen.
Einen lebendigen und geistvollen Sommer wünsche ich Ihnen!
Ihre










Gemeindebrief 198

Februar, März und April 2012

Ostern

Christus ist auferstanden!

Er ist wahrhaftig auferstanden!

Dies ist der alte Ostergruß, mit dem sich auch heute noch Christenmenschen in aller Welt am Ostermorgen grüßen.
Auferstehung –
Wer denkt schon gerne mitten im Leben an den Tod und an das, was denn danach kommen könnte, wenn noch etwas danach kommt?
Auferstehung - und damit auch Ostern – das ist wohl etwas für die ganz Frommen und für die, die noch so richtig in der christlichen Tradition verwurzelt sind.
Auferstehung –
• Waren Sie schon einmal so richtig krank – eine heftige Grippe mit Fieber z. B. oder ein langer Krankenhausaufenthalt – und Sie konn-
ten endlich nach der Zeit des Liegens und ans Bett gefesselt Seins
wieder aufstehen?
• Wussten Sie schon einmal nicht mehr weiter und waren Sie der Ver-
zweiflung ganz nah, und dann tat sich für Sie wieder eine Tür auf, ein
Weg eröffnete sich oder Sie sahen wieder Licht am Horizont?
• Haben Sie es schon einmal gewagt aufzustehen gegen eine Unge-
rechtigkeit oder gegen Leid oder Not und laut Einspruch zu erheben
und „Nein!“ zu sagen – Widerstand zu leisten?
Wenn Sie all das oder auch nur eines davon schon einmal erlebt oder selber gelebt haben, dann bleibt „Auferstehung“ für Sie nicht ein fernes, jenseitiges Wort für Menschen, die auf Besseres nach dem Tod hoffen, weil sie hier am und im Leben leiden.
Dann wird „Auferstehung“ für Sie zu einem Lebenswort, das man schmecken kann, das man tun kann und das einem widerfahren kann – mitten im Leben für ein Leben, das durch jeden Tod hindurch trägt – die alltäglichen Tode und den einen großen Tod.
Auferstehungserfahrung und Lebensfreude wünsche ich Ihnen.
Heute, zu Ostern und alle Tage.
Ihre






Gemeindebrief 197

November und Dezember 2011,

Januar 2012

Verantwortung

„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Kor 12, 9)

Das Gefühl, etwas alleine zu können, ist großartig! Mein erster Einkauf z.B. lag noch vor meiner Kindergartenzeit. Unbedingt wollte ich selber einkaufen gehen. Also schickte mich meine Mutter zu dem kleinen Laden, der zwei Häuser weiter lag, um zwei Zitronen zu kaufen. (Natürlich schlich sie unbemerkt hinter mir her.) Heute noch erinnere ich mich an das Gefühl, wie stolz ich war, als ich die beiden Zitronen nach Hause brachte.
Ich genoss die Schritte in immer größer werdende Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Der erste selbstständige Urlaub mit 16 Jahren, mein „Wanderjahr“ durch religiöse Gemeinschaften nach dem Abitur, der Auszug aus dem Elternhaus, das Studium, die eigene Familie, die erste eigene Pfarrstelle... Ja, das Gefühl, etwas zu können und aus eigener Kraft zu schaffen, ist großartig!
Doch seit einiger Zeit gesellt sich bei mir zu diesem Gefühl noch ein anderes – und auch das ist ein schönes Gefühl: Ich habe begonnen zu entdecken, dass es Vieles gibt, das ich nicht alleine tun muss. Ich mache die Erfahrung, angewiesen sein zu dürfen. Ich genieße das Gefühl, die Gemeinschaft anderer brauchen zu dürfen. Das gestehe ich mir zu: ja, ich habe Grenzen.
Denn:
Jeder Mensch hat seine Grenzen. Jeder Mensch ist angewiesen auf andere. Und kein Mensch kann alles und weiß alles.
Aber alle Menschen dürfen teilhaben an dem, der keine Grenzen hat, der allumfassend und alles durchdringend ist. An Gott, dessen Kraft für uns unermesslich und unbegreiflich ist.
Dieser Gott sagt: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“
Dieser Gott sagt: „Vertrau meiner Kraft mehr als deiner Schwachheit und deinen Grenzen. Dann kannst du die Erfahrung machen, dass meine Kraft gerade dort und durch die wirkt, bei denen wir es nicht erwarten, die in unseren Augen schwach erscheinen. Und dann kannst du die Erfahrung machen, wie wohltuend es ist, nicht immer alles selber können zu müssen.“
Für Gott und vor Gott müssen wir nichts beweisen und nicht größer oder stärker dastehen, als wir sind. Im Vertrauen auf Gottes Kraft dürfen wir in unseren Grenzen sein. Das entbindet uns nicht von der Verantwortung für unser Leben und unsere Welt, sondern es macht uns frei, unser Mögliches zu tun und nicht mehr und nicht weniger. Und wer weiß: Vielleicht kann Gott ja mit Menschen, die zu ihrer Schwachheit stehen weit mehr anfangen als mit solchen, die immer alles selber können!
Ich wünsche Ihnen ein kraftvolles Jahr 2012. Mögen Sie den Segen Gottes in Ihren Grenzen als eine grenzüberschreitende Kraft erfahren.






Gemeindebrief 196

August, September und Oktober 2011

Hobbys

Das Wort „Hobby“ stammt
ursprünglich
aus dem englischen
„hobby-horse“ (kleines Pferd),
bezeichnet aber auch ein Kinderspielzeug,
das „Steckenpferd“.

Dieser deutsche Begriff hat später die
Zweitbedeutung
„Freizeitbeschäftigung“
angenommen.

Haben Sie sich auch schon mal bei dem Gedanken ertappt:
Jetzt habe ich Gott so inbrünstig, so lange schon und so verzweifelt gebeten, diese oder jene Situation für mich zu lösen oder zum Guten zu wenden oder doch wenigstens etwas zu tun – ein Zeichen zu senden – oder zumindest doch mein Vertrauen zu stärken, dass alles gut ausgeht: Und nichts ist geschehen!

Oder genau andersherum:
Sie erbitten etwas von Gott – sehnen es herbei und es tritt ein und alles ist viel schlimmer als vorher.
Haben Sie das schon einmal erlebt?

Jesus Christus spricht:
Bittet so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden;
klopfet an, so wird euch aufgetan. (Mt 7, 7)

So lautet der Monatsspruch für den Monat August.
Ein grundpositiver, Mut machender Satz ist das, den Jesus da sagt.
Und zugleich auch ein ganz schwieriger Satz – wie ich finde. Denn dieses Wort Jesu rührt an das in uns wohnende kindliche „Habenwollen“ – gleich ob es sich um Materielles oder Ideelles handelt. Es rührt an die Vorstellung, dass Glück und Seligkeit gebunden sind an etwas, das wir erreichen oder bekommen. Aber nicht immer liegen Glück und Seligkeit im Haben oder Bekommen. Und schon manches Mal hat sich das Ersehnte als Fluch oder wenigstens als Last erwiesen, wenn es dann da war.

Dietrich Bonhoeffer hat gesagt:
Gott erfüllt nicht alle unsere Bitten, aber er erfüllt alle seine Verheißungen.

Wenn das wahr ist, dann rückt dieser Satz Jesu aus der Bergpredigt ganz nah an das Vaterunser und an dessen Bitten heran:
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. – Sagen wir in diesem Gebet. Und dann mag es bei allem, was wir erbitten und für uns ersehnen darum gehen, dass wir uns mit unseren Bitten einzuschwingen lernen in Gottes großen und guten Willen für uns – der jeder / jedem einzelnen von uns gilt wie seiner ganzen Schöpfung – und uns wird reichlich und überfließend gegeben werden.


Einen reichen Sommer wünsche ich Ihnen






Gemeindebrief 195

Mai, Juni und Juli 2011

Wasser

Wann haben Sie sich das letzte Mal gewundert?
Gehört das Staunen für Sie zum Alltag?
Der Frühling ist eine Jahreszeit für das Staunen und
Sichwundern.
Während ich das schreibe, öffnen die ersten Osterglocken ihre Kelche und die Tulpenknospen werden prall.
Jeden Tag verändert der Garten vor meinem Arbeitszimmerfenster sein Gesicht.
Es gibt Momente, da kommt mir jedes Blättchen und jeder neue Farbtupfer vor wie ein eigenes Wunder.

Kinder erfahren staunend die Welt.
Das Nachdenken über die Dinge und über das Leben macht gescheit, Staunen aber macht weise.

Deshalb sind das Staunen und das Sichwundern können eine Gabe Gottes.
Wer staunen kann und sich wundern, dessen Herz bleibt offen für das Unerwartete, dessen Augen können Schönheit erkennen und dessen Geist glaubt nicht, die Welt und das Leben abschließend verstanden zu haben.
Wer staunt, rechnet mit Gott.
Er gibt Gott einen Platz in unserer Welt und im Leben.

Gott hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder.
(Psalm 111, 4)

Wir können selber Gottes Gedächtnis sein, indem wir uns weigern, fertig zu sein und alles verstanden zu haben; indem wir uns unseres Staunens nicht schämen und es als kindlich und unerwachsen abtun.
Wahrhaft erstaunlich und wunderbar sind doch die Welt und das Leben.
Mögen wir uns also noch wundern – jeden Tag ein wenig!

Ihre






Gemeindebrief 194

Februar bis April 2011

Freiheit

Lass dich nicht vom Bösen überwinden,
sondern überwinde das Böse mit dem Guten.



So lautet die Jahreslosung für das begonnene Jahr aus Röm 12, Vers 21.
Eine klare Anweisung. Deutlich und ungeschnörkelt ausgesprochen. Nichts anderes ist nötig, als zu tun, was da gefordert wird. Und das ist, so finde ich, unendlich schwer.
Was ist Böse? – Was ist gut? – Auch Jesus ist so gefragt worden.
Was es Böses außerhalb von mir und meinem Leben gibt, fällt oft einigermaßen leicht, zu erkennen.

• Was der tut, ist schlecht. Wie die sich verhält, ist nicht gut.
• Kriege sind schlecht, Gewalt und Ungerechtigkeit ist böse .

Spätestens jedoch, wenn das „Böse“ eine politische Dimension bekommt, herrscht keine Einmütigkeit mehr darüber, ob es nicht vielleicht doch am besten mit denselben Mitteln zu bekämpfen wäre. – Ich erinnere an die Debatte um die Aussagen von Margot Käsmann in ihrer Neujahrspredigt 2010 über Afghanistan und die Empörung und die Versuche Krieg nicht Krieg zu nennen.
Was ist also Böse?
Ist Böse immer Böse oder manchmal Böse, manchmal nötig, manchmal vielleicht sogar gut?
Und wenn schon die Erkenntnis des Bösen nicht leicht und eindeutig ist, wie viel schwerer mag dann seine Überwindung durch das Gute sein. Ich merke, dass ich keine leichte und schnelle Antwort finde.
Nur eine Idee:
Solange ich das Böse als etwas sehe, das mit mir selber nichts zu tun hat, das immer nur die anderen betrifft – gleich ob es einzelne, konkrete Menschen sind oder ganze Völker oder Nationen, wird jeder Versuch, das Böse durch Gutes (was auch immer das ist) zu überwinden zu einem Kampf, bei dem es um Gewinnen und Verlieren geht und aus dem schon deswegen nichts nachhaltig Gutes erwachsen kann.
Denn gut zu sein, weil der andere oder etwas anderes böse ist, das ist leicht.
Wenn ich aber sehen kann, dass das Böse zur Welt und zum Menschsein dazugehört und deshalb auch in mir ist, dann ist es vielleicht möglich, ebenso zu entdecken, dass auch das Gute unabdingbar zur Welt und zum Menschsein gehört und deshalb ebenso zum anderen wie zu mir.
– Die Bibel nennt das im Blick auf uns Menschen die Gottebenbildlichkeit. –
Dann mag ein Kampf gegen das Böse nicht bedeuten: Du bist oder das ist schlecht und ich bin oder weiß, wie es besser und gut ist. Sondern: Ich sehe dich mit dem, was Böse ist und ich erkenne mich selber darin. Ich suche nach dem Guten und danach, es stark zu machen, weil ich weiß, es ist in dir ebenso wie in mir.
Kein einfacher Weg, glaube ich. Doch glaube ich auch, ein Weg, auf dem Heilung liegen kann für unzählige Verletzungen, die wir Menschen einander zufügen.
Ein Weg für das begonnene Jahr 2011?
Ihre





Gemeindebrief 193

Dezember 2010 und Januar 2011


Leben

Leben...
Und wir hören in den Beiträgen dieser Ausgabe von der Vielfältigkeit menschlichen Lebens, von seinem Anfang und von seinem Ende und davon, was das Leben dazwischen lebendig und sinnvoll macht.
Leben…
… und davon, dass Leben Entwicklung und Wandlung ist.
Ja, Leben kann man nur vorwärts niemals rückwärts. – Wer das versucht, kann daran zerbrechen, dass Vergangenes nicht wieder gegenwärtig werden kann.
Und nun der Monatsspruch für Dezember?
Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Mt 3,2
Kehrt um! – Wie kann das sein?
Ist das Himmelreich nicht etwas, das vor uns liegt, zu dem es uns
ziehen kann und von dem wir an Weihnachten einen Vorgeschmack
bekommen? – Gottes Friede kommt auf die Erde!
Wie soll man sich da umkehren? Großes entsteht niemals, wenn man nach rückwärts gewandt lebt, sondern immer nur im Vorwärtsgehen.
Kehrt um!
Es kann aber auch vorkommen, dass man ganz ergriffen von einem Gedanken und von dem Wunsch, davon ihn einzulösen, vorwärts
stürmt – und sich verrennt. Innehalten kann dann heilsam sein.
Die Blickrichtung wechseln und alles aus einer anderen Perspektive betrachten, eröffnet oft neue Wege.
Kehrt um!
Johannes der Täufer ruft so.
Und er ruft so, um die Menschen in ihrem Alltagseinerlei
aufzurütteln, so dass ihre festgefahrene Hoffnung aufbricht.
Haltet inne in Eurem Lauf!
Haltet inne und wagt es, den Blick umzuwenden und eure Richtung
zu überprüfen.
Liegt dort das Leben und in eurem Lebenslauf, eurem Lebensrun,
liegt dort die Lebendigkeit?
Habt Ihr noch ein Gespür dafür, was Leben bedeutet, was Liebe ist,
wie Frieden werden kann?
Haltet inne und sucht den neuen Blick, damit ihr das Leben erkennt, wenn es euch begegnet – klitzeklein und verletzlich, wie in der Krippe oder unerwartet anders, als vermutet.
Mut zum Innehalten – und den Blick wenden, ja wenn es sein muss
auch umkehren – das wünsche ich uns allen nicht nur für die
Adventszeit, sondern für das ganze nächste Jahr.
Gottes Segen!
Ihre







Gemeindebrief 192

Oktober und November 2010


„Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen.“

(Offenbarung 3, 8)

Kennen Sie diesen Satz:

„Wenn eine Tür zufällt, dann öffnet sich eine andere.“?Hoffnung drückt sich darin aus. Zuversicht – nicht nur, dass es „irgendwie immer weiter geht“, sondern dass sich neue Wege auftun und neue Chancen eröffnen.Dass möglicherweise sogar ein Sinn darin liegt, dass sich eine Tür geschlossen hat, denn hätte sie sich nicht geschlossen, würde sich die andere nicht öffnen können.

- Ein Sinn, der sich nicht im Vorhinein erschließt, sondern erst im Nachhinein.

Die Türen, von denen dieser Satz:

„Wenn eine Tür zufällt, dann öffnet sich eine andere.“

spricht, sind die Türen im Leben.

Es sind die Türen auf dem Lebensweg, der ein Weg ist, der sich stetig zwischen Abschiednehmen und Neubeginn bewegt.

- Abschiednehmen und Neubeginn von Menschen und Orten, von Möglichkeiten und Träumen von einer Lebensphase zur nächsten.

Die Tür, von der der Seher Johannes in dem Buch der Offenbarung spricht, ist die Tür zum Leben.Mit unserer Geburt öffnet Gott uns die Tür zum Leben.

In der Taufe sagt er uns, welchen Namen diese Türe trägt: Leben aus Gottes Liebe und in der Fülle der von ihm geschenkten Gaben.

Und diese Tür steht offen.

Diese Tür bleibt offen – unser Leben lang und auch und erst recht, wenn wir das Ende unseres Lebens hier erreicht haben.

Denn Gott ist kein wankelmütiger Gott – so heißt es im Alten Testament.

Er ist treu – sich selber und seinem Wort treu.

Weder wird er zulassen, dass jemand die Tür, die er zum Leben hin geöffnet hat, schließt, noch wird er selber das tun.

Sie ist offen und bleibt es in Ewigkeit.

Und was DAS bedeutet, können wir ebenso wenig im Vorhinein verstehen, wie wir es bei den Türen im Leben verstehen können.

Was das bedeutet wird sich uns aufschließen, wenn wir die letzte Tür im Leben durchschritten haben.

- Die Tür, die uns durch den Tod hindurchführt zu dem Leben, das wir ewig nennen.

Dann werden wir sehen, welche Chance, welche Wege, welche Erfüllung dahinter liegt.

Und Gott wird uns erwarten.

Ihre





Gemeindebrief

211 05-07`15

210 02-04´15

209 11´12-01´15

208 08-10´14

207 05-07`14

206 02-04`14

205 11´12-01´14

204 08-10´13

203 05-07´13

202 02-04`13

201 11´12-01´13

200 08-10´12

199 05-07´12

198 02-04´12

197 11´12-01´12

196 08-10'11

195 05-07'11

194 02-04'11

193 12'10-01'11

192 10-11'10

191 07-09 '10

190 04-06 '10

189 02-03 '10

188 12'09-01'10

187 09-10 '09

186 07-09 '09

185 04-06 '09

184 02-03 '09

183 12'08-01'09

182 10-11 '08

181 07-09 '08

180 04-06 '08



Gemeindebrief 191

Juli / August / September 2010


Begabt und begeistert leben –

Gedanken zu Pfingsten (und darüber hinaus)

„Sind Sie begabt?“

„Wer? Wie? Ich jetzt?“

„Klar, Sie! Ich meine genau Sie!“

„Aber... aber...

Nein! Ich kann nichts Besonderes. Kann nicht singen. Kann nicht malen. Spiel kein Musikinstrument. Kann nicht kochen...

Nein, ich kann nichts Besonderes.“

„Danach habe ich auch nicht gefragt.

Begabung kommt von Gabe, nicht von Können.

In der Bibel steht:

Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinen Mühen, das ist eine Gabe Gottes.

(Pred 3, 13)“

„Was muss ich dafür tun, um guten Mutes zu sein bei all meinen Mühen?“

„Sie? Dafür tun?

Ich fürchte, dafür tun, können Sie nichts.

Höchstens dafür – SEIN.“

Herzliche Grüße und viel Freude beim Leben Ihrer Begabungen!


Ihre



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Gemeindebrief 190

April / Mai / Juni 2010

Iss freudig dein Brot und trink vergnügt deinen Wein, denn das was du tust, hat Gott längst so festgelegt, wie es ihm gefiel. (…)

Mit dem Menschen, den du liebst, genieße alle Tage deines Lebens voll Windhauch; die er dir unter der Sonne geschenkt hat.


Diese Worte stehen im sog. Alten, dem Ersten Testament unserer Bibel. Und sie stehen nicht irgendwo, sondern im Buch Kohelet und gelten als „Weisheit“, erwachsen aus der besonderen Erkenntnis des Lebens.

Das mag den Einen oder die Andere erstaunen.

Weit bekannter als diese (und andere) biblische Aufforderung, das Leben mit allen Sinnen zu genießen, sind ja doch die Mahnungen zur Mäßigkeit – besonders durch Paulus – oder die Aufforderung zu teilen und sich um die soziale Gerechtigkeit zu kümmern – wie z. Bsp. durch den Propheten Jesaja.

Wie passt das zusammen?

Zwei Dinge fallen mir dazu ein:

1. Das Leben ist uns geschenkt. Wir dürfen uns daran freuen und dazu unsere Sinne und die Fähigkeit mit ihnen das Leben zu genießen, gebrauchen. Uns am Essen und Trinken, an der Liebe und an allem, was das Leben schön macht, zu freuen, ist Ausdruck der Dankbarkeit gegenüber Gott, der uns das Leben mit seinen Möglichkeiten gegeben hat.

2. Was ich für mich als gültig erkannt habe, gilt auch für jeden anderen Menschen. Deshalb ist Genuss nur dann echter Genuss, wenn ich weiß: der neben mir kann ihn auch erleben. Weder nehme ich jemand anderem etwas weg, wenn ich es mir gut ergehen lasse, noch verstellt mir der Genuss die Sicht auf Gott.

Deshalb mag es auch und gerade beim Thema Essen nicht nur um das „Was“ und „Wie viel“ des Essens gehen, sondern auch um die Freude und Dankbarkeit, mit der wir es genießen und darum, über dem Genuss nicht zu vergessen, dass es Menschen gibt, denen es nicht vergönnt ist.

Ihnen allen einen reichen Frühling und schönen Start in den Sommer!

Ihre




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Gemeindebrief 188

Dezember 2009 / Januar 2010



(Kopie 8)



Gemeindebrief 187

Oktober / November 2009


(Kopie 3)

Kindsein

Nicht erwachsen sein – nicht alles selber können,

aber auch nicht alles selber tun müssen.

Kindsein

Sich darauf verlassen können, dass da jemand ist, der für einen sorgt.

Lachen dürfen – weinen dürfen

und jemand ist da, der sich mitfreut und der tröstet.

Kindsein

Dazugehören – zu Mutter und zu Vater.

Wissen, was ihnen gehört, gehört auch mir.

Ein Zuhause haben – einen Ort, der Sicherheit gibt und Geborgenheit, an den man jederzeit wieder zurückkehren kann.

Kind der eigenen Eltern bleiben – auch wenn man schon erwachsen ist.

So bezeugt der Geist selber unserem Geist,

dass wir Kinder Gottes sind. (Röm 8, 16)

Wir sind Kinder Gottes – wir dürfen uns so nennen – Gott selber nennt uns so. Wir sind erwachsen und müssen dennoch nicht alles selber und nur aus uns selbst heraus können. Es gibt auch Dinge, die wir nicht tun müssen, weil sie unsere Möglichkeiten übersteigen. Wir dürfen zu Gott Vater sagen oder Mutter.

Wir sind Kinder Gottes – wir dürfen uns so nennen – Gott selber nennt uns so. Wir sind erwachsen und wir dürfen uns freuen wie ein Kind und traurig sein und weinen wie ein Kind. Gott ist da, hört und sieht uns, freut sich mit uns, tröstet uns.

Wir sind erwachsen und können dennoch darauf vertrauen, dass Gott uns in jeder Situation genau soviel Kraft gibt, die wir brauchen, um diese Situation zu bestehen (D. Bonhoeffer)

Wir sind Kinder Gottes – wir dürfen uns so nennen – Gott selber nennt uns so. Wir sind Gott ähnlich. Wir sind nach seinem Bild geschaffen. Wir sind mit seinem Lebensatem beseelt.

Von Gott kommen wir her. – Zu ihm kehren wir mit unserem Leben auch wieder zurück am Ende unserer Zeit. Bei ihm sind wir zuhause zu jeder Zeit.

Einen gesegneten Sommer wünsche ich Ihnen

Ihre







Gemeindebrief 187

Oktober / November 2009


„Geht hin in alle Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngerinnen und Jüngern.

Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes

und lehrt sie alles zu halten, was ich euch gesagt habe.

Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“

(Mt 28,19f)

„Missionsbefehl“ nennt man diese letzten Verse des Matthäusevangeliums – oder etwas moderater: „Taufauftrag“.

Mission – Welche Gedanken und Gefühle löst dieser Begriff bei Ihnen aus?

Ein Gespräch über das Thema „Mission“ im Presbyterium und auch in unserem Konzeptionsausschuss hat gezeigt, dass dies ein Wort ist, mit dem sich sehr unterschiedliche Gedanken und Gefühle verbinden.

n Große Skepsis – nicht so recht wissen, was man damit anfangen kann – eine grundpositve Einstellung dazu – je nachdem, welche Erfahrungen man selber

gemacht hat.

Tatsache ist, dass wir alle hier in Mitteleuropa kaum Christinnen und Christen wären, wenn die ersten Christenmenschen, angefangen mit Paulus, ihren christlichen Glauben nicht offensiv weitergetragen hätten.

Viel Gutes und Segensreiches haben Menschen überall in der Welt durch Missionare und Missionarinnen erfahren. Doch ebenso sind gewachsene Religionen, das Verwurzeltsein in den Traditionen der Vormütter und Vorväter im Namen der „Frohen Botschaft“ missachtet und verboten worden und der neue Glaube brachte Leid und koloniale Unterdrückung.

Auch hier bei uns erzählen die einen von echter Geschwisterlichkeit und tragfähiger Gemeinschaft, nachdem ihnen vom christlichen Glauben erzählt wurde und die anderen von bedrängenden Predigten über Gericht und Strafe und erhobenem moralischen Zeigefinger und der Botschaft: Ändere dich, denn so wie du bist, bist du nicht gut (genug) für Gott.

Ich selber habe ein ambivalentes Verhältnis zu Mission und immer noch bin ich auf der Suche danach, wie Mission gefüllt und gelebt werden kann. Nur eines scheint mir klar:

„Gott wird Mensch“ – ist die zentrale Aussage unseres Glaubens. Wenn Mission ist, das mit Worten oder Taten weiterzusagen oder schlicht es zu leben, dann mag die Grundlage aller Mission sein, in jedem Menschen Gottes Ebenbild zu sehen und jedem Menschen im Licht von Gottes Liebe zu begegnen.

Eine freundliche Herbstzeit wünsche ich Ihnen!

Ihre

St,

d. (Röm 8, 16)

Wr.

Ws.

W)

Wlt.

Vt.

Einen gesegneten Sommer wünsche ich Ihnen

Ihre







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Gemeindebrief 186

Juli / August / September 2009


Kindsein

Nicht erwachsen sein – nicht alles selber können,

aber auch nicht alles selber tun müssen.

Kindsein

Sich darauf verlassen können, dass da jemand ist, der für einen sorgt.

Lachen dürfen – weinen dürfen

und jemand ist da, der sich mitfreut und der tröstet.

Kindsein

Dazugehören – zu Mutter und zu Vater.

Wissen, was ihnen gehört, gehört auch mir.

Ein Zuhause haben – einen Ort, der Sicherheit gibt und Geborgenheit, an den man jederzeit wieder zurückkehren kann.

Kind der eigenen Eltern bleiben – auch wenn man schon erwachsen ist.

So bezeugt der Geist selber unserem Geist,

dass wir Kinder Gottes sind. (Röm 8, 16)

Wir sind Kinder Gottes – wir dürfen uns so nennen – Gott selber nennt uns so. Wir sind erwachsen und müssen dennoch nicht alles selber und nur aus uns selbst heraus können. Es gibt auch Dinge, die wir nicht tun müssen, weil sie unsere Möglichkeiten übersteigen. Wir dürfen zu Gott Vater sagen oder Mutter.

Wir sind Kinder Gottes – wir dürfen uns so nennen – Gott selber nennt uns so. Wir sind erwachsen und wir dürfen uns freuen wie ein Kind und traurig sein und weinen wie ein Kind. Gott ist da, hört und sieht uns, freut sich mit uns, tröstet uns.

Wir sind erwachsen und können dennoch darauf vertrauen, dass Gott uns in jeder Situation genau soviel Kraft gibt, die wir brauchen, um diese Situation zu bestehen (D. Bonhoeffer)

Wir sind Kinder Gottes – wir dürfen uns so nennen – Gott selber nennt uns so. Wir sind Gott ähnlich. Wir sind nach seinem Bild geschaffen. Wir sind mit seinem Lebensatem beseelt.

Von Gott kommen wir her. – Zu ihm kehren wir mit unserem Leben auch wieder zurück am Ende unserer Zeit. Bei ihm sind wir zuhause zu jeder Zeit.

Einen gesegneten Sommer wünsche ich Ihnen

Ihre





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Gemeindebrief 185

April / Mai / Juni 2009


Monatsspruch Mai

Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden,

was wir gesehen und gehört haben.

Apostelgeschichte 4, 20

Von meinem Opa ist der Ausspruch überliefert: „Kinder soll man sehen und nicht hören!

Ich fürchte, mein Opa hätte sich an unserm Esstisch nicht sehr wohl gefühlt. Da wird munter drauf los geplappert und erzählt, gerade auch von unsern Kindern. „Ich hab mich heute in Mathe gemeldet.“ „Nächste Woche schreiben wir Franze.“ „Boa, unser Meister ist echt voll krass.“

Ich kenne es von mir selber auch. Dieses Bedürfnis danach, unbedingt erzählen zu wollen. Weil ich möchte, dass andere teilhaben an dem, was mich bewegt. Geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude. Ja, das Anteil nehmen an den Erfahrungen und Erlebnissen anderer kann durchaus für einen selbst eine Bereicherung sein. -

Johannes und Petrus stehen vor dem Hohen Rat, dem jüdischen Gerichtshof. Man wolle noch einmal Gnade vor Recht ergehen lassen, wenn die beiden nur nicht mehr von diesem Jesus von Nazareth erzählen würden. Auf diesen deal können sich die beiden Jünger nicht einlassen. Es sprudelt aus ihnen heraus, sie müssen erzählen, was sie gesehen und gehört haben, nämlich von Gottes Liebe im Wirken, im Sterben und im Auferstehen Jesu Christi. Diese Liebe hat Spuren in ihrem Leben hinter lassen und nun ist der Redefluss in Gang gesetzt.

Liebe Gemeinde, vielleicht können wir uns von der kindlichen Unbekümmertheit inspirieren lassen und es auch einmal versuchen, einfach zu erzählen von dem, was wir in unserm Leben – von Gott – gesehen und gehört haben.

Herzlichst, Irene Gierke


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Gemeindebrief 184

Februar / Maerz 2009


Monatsspruch Februar

Wo ist euer Glaube?

Lukas 8,25

„Was für eine Frage!“ – dachte ich, als ich diesen Monatsspruch las. Was für eine Frage!

Wen interessiert das eigentlich, wo mein Glaube ist. Und überhaupt das Wörtchen „Wo“ – als ob der Glaube irgendwo verlegt werden könnte, unterwegs verloren gehen könnte und dann dort, wo man ihn verloren hat, liegt und man ihn auch an demselben Ort wiederfinden kann.

Als ob man ihn bei sich tragen kann in einer Tasche oder ihm einen Platz bin seiner Wohnung geben kann.

Als ob der Glaube einen festen, benennbaren Ort hat – im Kopf oder in den Gefühlen oder wo auch immer.

Wo ist euer Glaube?

Jesus ist es, der so fragt. Er fragt seine Jünger, nachdem er den Sturm auf dem See Genezareth gestillt hat, der seine Jünger in Angst und Schrecken versetzt hatte.

Wo ist euer Glaube, fragt er und meint – so wie ich diese Geschichte verstehe: Wo ist euer Vertrauen in Gott?

Stürme haben es an sich, Angst zu machen.

Stürme in der Natur ebenso wie Stürme im Leben. Und Angst löst bei uns aus, weglaufen zu wollen, uns zu wehren oder vor Scheck zu erstarren. – Ein ganz altes Erbe aus früher Zeit ist dies, das man auch bei Tieren beobachten kann.

Und ist man mitten drin in der Angst, kann es sein, dass man nichts mehr sieht als eben das, was einem Angst macht. Die Jünger Jesu habe es in dem Sturm auf dem See so erlebt.

Und dann kann es heilsam sein und helfen, wenn jemand von außerhalb der Bedrohung kommt und fragt: Da gibt es doch etwas, was dir bislang Mut gemacht hat, woraus du Kraft gezogen hast, was dir Halt gegeben hat. Erinnere dich daran und such danach. Es kann nicht weg sein. Wo ist es? Wo ist dein Glaube, wo dein Vertrauen in Gott?

Menschen, die Sie so fragen, wenn Stürme Ihr Leben durchrütteln und die Ihnen helfen, (wieder) zu finden, was Ihnen Halt gibt und Ihr Vertrauen stärkt, die wünsche ich Ihnen.

Vielleicht können wir solche Menschen ja für einander sein in unserer Gemeinde.

Herzlichst Ihre




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Gemeindebrief 183

Dezember 2008 / Januar 2009


Jahreslosung 2009

Jesus Christus spricht:

Was bei den Menschen unmöglich ist,

das ist bei Gott möglich.

Lukas 18,27

Wir leben in einer Welt vieler und großer Versprechungen aus Politik und Wirtschaft. – Nichts ist unmöglich…

- Du könntest eine monatliche Sofortrente von 3000,00 Euro auf 25 Jahre gewinnen

- Du könntest die Liebe deine Lebens im Internet finden

- Du könntest groß rauskommen

Was du nur dazu brauchst ist Erfolgsstreben, Durchsetzungsvermögen, Steigerung der Aktienkurse, Einkommensverbesserung…

All das wird als Erfolgsgaranten genannt. Doch Sinn können wir uns damit nicht geben.

Wer an der Schwelle des neuen Jahres steht und zurückblickt und vorausblickt, wird vielleicht in aller Ehrlichkeit zu sich selber sagen: Es liegt nicht in meiner Hand. Weder kann ich das Glück schmieden, noch Sorgen einfach verscheuchen und von Fehlern, Angst und Scheitern kann ich mich auch nicht mal eben befreien.

Für die Bibel stehen die oben erwähnten „Erfolgsgaranten“ deshalb in der Nähe zum Geiz und – „Geizige werden das Reich Gottes nicht erben“ schreibt Paulus im 1. Kor 6, 10. Geizig aber ist der, der nicht frei ist von dem, was sein Leben von außen her bestimmt, sondern der es festhalten will und meint sich dadurch Lebensberechtigung und Sinn zu geben.

Im Reich Gottes ist es anders. Dort geht es um die Sanftmütigen, um die Sehnsüchtigen nach Gerechtigkeit, um die Barmherzigen.

Im Reich Gottes geht es darum, einander – und dazu zuerst sich selber mit den Grenzen seiner Möglichkeiten zu sehen und zu erkennen: Ich bin angewiesen darauf, dass Gott mich trägt und mir Sinn zuspricht. Und dann loszulassen, was Sicherheit und Halt von außen verspricht. Das mag nicht leicht sein und dieses Vertrauen lässt sich nicht lernen oder zwingen. Man kann es nur wagen und dann womöglich erfahren: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“

Ein gesegnetes Jahr 2009 wünsche ich Ihnen!




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Gemeindebrief 180

April / Mai / Juni 2008


So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge,

sondern Mitbürger der Heiligen

und Gottes Hausgenossen.

Epheser 2,19

Liebe Gemeinde,

neulich bat mich ein Kollege bei einem Zusammentreffen einmal spontan und ohne nachzudenken eine Frage zu beantworten. Er sammle Anregungen und Material für eine Predigt.

Die Frage lautete: Wo gehörst du hin?

Wo gehör‘ ich hin? – Gute Frage, dachte ich. Und dann hab ich ihm geantwortet, was mir eben spontan und schnell in den Sinn kam.

Doch die Frage hat mich weiter begleitet. Wo gehöre ich hin?

Es gibt Orte, an denen ich mich wohl fühle – aber gehöre ich dorthin?

Es gibt Menschen, die zu meinem Leben dazu gehören und die ich nicht missen möchte, aber gehöre ich zu ihnen?

Es gibt schließlich Dinge, die ich tue, mein Beruf, den ich gern habe und von dem ich sagen würde, dass er zu mir gehört. Aber gehöre ich zu ihm?

Wo gehörst du hin?

Mir fällt ein, dass die Bibel davon spricht, dass wir Gäste und Fremdlinge auf der Erde sind (Hebr. 11, 13 u.ä.) Gehören wir also nirgendwo wirklich hin?

In einer kurzen Geschichte wird erzählt:

Ein Tourist macht Station in einem Kloster. Er wird freundlich aufgenommen, und man bietet ihm eine Mönchszelle als Schlafquartier an. In der Tür fragt der Tourist erstaunt: „Wo sind denn Ihre Möbel?“ „Wo sind denn Ihre?“ erwidert der Mönch. Verwirrt antwortet der Tourist: „Ich bin doch nur auf der Durchreise.“ Der Bruder lächelt: „Wir auch.“

Wo gehöre ich hin? – Vielleicht ist das ja gar nicht die richtige Frage. Vielleicht muss die Frage ja vielmehr lauten: Was ist mir so wichtig, dass ich es auf meiner Lebensreise in meinem Koffer mitnehmen möchte? Was gehört zu mir?

Was ist Ihnen so wichtig? – Was gehört zu Ihnen dazu, dass sie es auf Ihrer Lebensreise mitnehmen?


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Gemeindebrief 179

Februar / März 2008


Monatsspruch Februar 2008

Jesus Christus spricht:

Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteil werden.

Markus 11,24

Das wär was, liebe Gemeinde! So etwas wie ein „Pray –o-mat“! Oben könnten wir unsere Hoffnungen und Wünsche über eine Tastatur eingeben. Rechts davon ein Schlitz, in den hinein wir unsern Glauben einwerfen könnten. Und aus dem unteren Ausgabefach müssten wir nur noch die Erfüllung unserer Gebetsanliegen entnehmen. Wär das was, liebe Gemeinde? -

Höchstens auf den ersten Blick. Ein sehr verlockender Blick, gebe ich zu. Ich habe auch schon so gebetet: „Gott, bitte, lass dies oder jenes eintreten! Sonst kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, das, was auf mich zu kommt, meistern zu können.“ Doch auch diese Erfahrung habe ich gemacht: das, worum ich gebeten habe, ist nicht eingetreten. Ich musste einen Weg gehen, den ich nicht im Blick hatte. Nicht unbedingt ein einfacher Weg, aber ein Weg, der mich weiter gebracht hat.

Nein, der Monatsspruch für Februar verspricht uns keinen „Pray-o-mat“. Jesus spricht vielmehr von dem lebendigen Gott, der nicht kalt wie eine Maschine funktioniert, sondern der jeden einzelnen Menschen liebt und kennt und deshalb mit jedem einzelnen Menschen eine Beziehung eingehen will. Bonhoeffer hat es einmal so formuliert: „Gott erfüllt nicht all unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen.“ Seine Verheißungen, die auch und gerade Ihnen gelten, liebe Gemeinde.

Herzlichst, Irene Gierke


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Gemeindebrief 173

Dezember 2006 / Januar 2007


Monatsspruch Dezember 2006

Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude

aus den Quellen des Heils.

Jesaja 12,3

Liebe Gemeindemitglieder,

es gab Zeiten, da haben wir geglaubt: Wir können aus dem Vollen schöpfen. Es schien ja alles reichlich vorhanden zu sein. Aber die Zeiten haben sich geändert, ziemlich viele Menschen können nicht mehr aus dem Vollen schöpfen. Die Quellen versiegen für sie mehr und mehr. Immer stärker ist die Frage: Was macht unser Leben eigentlich aus? Was brauchen wir, damit unser Durst nach frohem, lohnendem, erfülltem Leben gestillt wird?

Die Hirten, von denen die biblische Weihnachtsgeschichte erzählt, können auch nicht gerade aus dem Vollen schöpfen. Aber als sie zur Krippe kommen, ahnen sie: Hier sind wir an der Quelle. Hier finden wir die Geltung, Akzeptanz und Liebe, nach der wir uns sehnen. Hier können wir neue Kraft und neuen Lebensmut schöpfen.

Ich wünsche Ihnen und mir selbst ein frohes Weihnachtsfest. Eine schöpferische Ruhepause, in der wir uns auf Jesus besinnen. Er will unseren Durst stillen.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr




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Gemeindebrief 172

Oktober - November 2006


Monatsspruch November 2006

Gott spricht:

Seht, ich mache alles neu.

Offenbarung 21, 5

Liebe Gemeindemitglieder,

Die letzten Monate des Jahres sind von Abschieden gezeichnet: Der Herbst erstrahlt in vielen Farben, bevor dann die dunklen Monate kommen, der November, das Ende des Kirchenjahres. Wir erinnern uns an unsere Verstorbenen, nehmen Abschied von der warmen Jahreszeit. Für viele Menschen sind dies traurige Monate. Und genau zu dieser Zeit ein Monatsspruch, der von einem neuen Anfang erzählt. „Ich mache alles neu“, spricht Gott - gehört das nicht eher in die Frühlingszeit?

Nein, dies Wort gehört genau in diese Monate:

Ganz am Ende unserer Bibel, nach den vielen Geschichten von Freud und Leid der Menschen, ganz am Ende einer langen Geschichte zwischen Gott und den Menschen - ganz am Ende steht: Der neue Anfang. „Ich mache alles neu“, spricht Gott.

Für Menschen sind Abschiede schwer, sind Veränderungen schwer, beängstigend. Doch Gottes Geschichte mit uns ist neu - jeden Tag:

Alles mache ich neu - das ist das letzte Wort, das Gott über unsere Welt, über unser Leben spricht. Voller Trost, voller Zuversicht, voller Hoffnung. So sollen wir uns verabschieden von unseren Lieben, von diesem Jahr, von vielen Dingen. Voller Trost, voller Zuversicht, voller Hoffnung - mit gutem Grund, denn: Gott macht alles neu.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre




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Gemeindebrief 171

Juli - August - September 2006


Monatsspruch Juli 2006

Jesus Christus spricht:

Wer zu mir kommt,

den werde ich nicht abweisen.

1. Johannes 6, 37

Liebe Gemeindemitglieder,

abgewiesen werden - keine schöne Erfahrung. Und doch hat jede und jeder sie schon machen müssen:

Kleine Kinder wissen genau, mit wem sie spielen wollen und wer doof ist und darum nicht eingeladen wird. Jugendliche wissen genau, wer cool ist und mit wem man sich besser nicht blicken lassen sollte. Erwachsene achten besonders auf die rar gewordene freie Zeit und weisen so einige ab, die die Mußestunden beeinträchtigen könnten mit anstrengenden Bitten oder Vorschlägen. Älteren wiederum ist ihre Zeit zu kostbar, um sie noch mit unangenehmen Menschen zu verbringen.

Jede und jeder von uns hat schon mal jemanden abgewiesen - und sicher auch „mit gutem Grund“. Und gleichzeitig sind wir auch alle schon einmal abgewiesen worden - und haben schmerzlich diese Zurückweisung erfahren.

Jesus Christus hat es von Anfang an anders gemacht: Zu ihm kamen sein Leben lang arme Hirten und reiche Könige, ausgestoßene Raffgeier und barmherzige Helferinnen, Ehebrecher und Kranke, freundliche und eigensüchtige, selbstbezogene Mitmenschen. Keinen hat Jesus weggeschickt, keine ist je von ihm abgewiesen worden. Es genügte, sich zu Christus hinzuwenden. Dann konnte man seine Botschaft hören und erfahren: Gott nimmt Dich an, ohne Vorleistung; wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Die Menschen damals schöpften neue Kraft, neuen Mut, lebten ihr Leben neu: Erfüllt von dieser Botschaft, getragen von Gottes Liebe.

Dass uns das heute auch gelingen möge, das wünsche ich uns allen.

Bleiben Sie gut behütet.




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Gemeindebrief 170

April - Mai - Juni 2006


Monatsspruch April 2006

Jesus Christus ist die Versöhnung für unsre Sünden,

nicht allein aber für die unseren,

sondern auch für die der ganzen Welt.

1. Johannes 2,2

Liebe Gemeindemitglieder,

wenn wir uns ansehen, was andere Menschen und auch wir selber manchmal tun, dann ahnen wir: Gott hat Grund, zornig zu sein. Allzu oft fragen wir nicht nach ihm. Aber wenn wir Jesus ansehen, dann ahnen wir auch, was Versöhnung bedeutet. Er hängt da am Kreuz und breitet seine Hände über alle aus. Über die Anordnenden und die Ausführenden. Über die Anstifter und die Mitläufer. Über die Schaulustigen und die Spötter. Von seinen eigenen Leuten sind nur einige Frauen da, die um ihn trauern. Die anderen haben ihn aufgegeben. Aber Jesus hat kurz vorher mit ihnen Abendmahl gefeiert. Wenn wir auf ihn sehen, dann ahnen wir, was Versöhnung bedeutet.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr





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Evangelische Kirchengemeinde Hls, 2006